Prothese bei Beinamputation

Prothesen

Für "frisch" beinamputierte Menschen eine wichtige Frage: "Kann ich mit einer Beinprothese wieder laufen?"

Ich bin selbst Prothesenträger und möchte das hier einmal für Dich näher beleuchten, was damit so "abgeht".

Diesen Artikel gibt es bereits seit einiger Zeit, ab und zu erweitere ich ihn. Da in der letzten Zeit die Besucherzahlen steigen, nehme ich an, dass es Informationsbedarf gibt da draußen. Als amputierter "Neuling" hast Du viele Fragen, und, je nach Ablauf der Amputation (traumatisch oder mit gewissem Vorlauf z.B. bei Diabetes oder Raucherbein), konntest Du Dich vorbereiten - oder eben nicht. Ich sehe das hier aus dem Blickwinkel einer Beinamputation, genauer gesagt einer Oberschenkelamputation. Die dringenden ersten Fragen dabei sind verständlicher Weise:

Ganz schön viele Fragen. Schauen wir uns das nacheinander an.

Wie immer der Hinweis: Die Beiträge verfasse ich aus meiner eigenen Sicht und mit meinen eigenen Erfahrungen die ich mit dem Thema gemacht habe. Ich habe also "eine bestimmte Brille" auf dabei. Ich bin weder Arzt noch Profi. Allerdings bin ich "Experte". Und das im wahrsten Sinne.

Noch eine kleine Wiederholung: Ich muss Werbung machen zwischendurch - um die Seite irgendwie betreiben zu können - Ein Klick auf die Banner oder ein Bild schadet Dir nicht, könnte mir aber helfen :)
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Werde ich mit einer Prothese wieder Gehen können?

Ja! Unter bestimmten Gegebenheiten natürlich. Jede Prothese ist - flach ausgedrückt - ein Ersatzteil. Ein Ersatzteil für Irgendetwas, was Dein Körper nicht mehr hat oder nicht mehr selbst leisten kann. Eine Prothese selbst kann nicht laufen. Sie wird Dich unterstützen dabei - "welch eine Erkenntnis", höre ich Dich fast sagen. Nun, so ist es im wahrsten Sinne. Du musst Dich schon anstrengen und etwas leisten, damit Du wieder Gehen kannst!

Das Erste ist immer Dein Gesamtzustand nach der Operation. Ein gesunder, belastbarer Stumpf ist die Hauptvoraussetzung zum Prothesengehen. Sind nicht noch andere Körperteile in Mitleidenschaft gezogen, kannst Du bald nach der OP in einem Rollstuhl mobil sein. Du solltest von Anfang an Deinen Stumpf gut pflegen. Er übernimmt bald sehr wichtige Funktionen, wenn Du Laufen willst. Hier findest Du meinen Beitrag zur Stumpfpflege nach einer Amputation.

Du findest im Folgenden ein Video der Firma endolite / Blatchford. Da siehst Du, dass es möglich ist mit einer auf Dich abgestimmten Prothese ganz normal zu laufen.

Real Life Story - LiNX von endolite

(Mit freundlicher Genehmigung von endolite Deutschland)

 

Bedenke aber, dass das natürlich ein "Werbefilm" des Unternehmens ist und der Kollege, der da so super läuft, ein durchtrainierter Ex-Soldat ist. Es kommt auf Deine Verfassung an und ob Du auch so gut trainiert bist oder trainieren kannst. Ich habe zum Beispiel zahlreiche andere Verletzungen erlitten und habe u.a. einen verbrannten Gesäßmuskel. Was man also umgangssprachlich einfach "Arschbacke" nennt und worauf ich im früheren Leben nie geachtet habe, ist nun meine schwächste Stelle wenn es um die Prothesensteuerung geht.

Zudem bedeutet das Tragen der Prothese einen immensen Kraftaufwand. Du darfst mit einem um 1000 kcal höheren Grundbedarf täglich rechnen, je nach Deiner Verfassung und in Absprache mit Deinem Arzt natürlich. Meine "Maschine" wiegt z.B. insgesamt 6,5 Kilogramm. Das merkt man dann schon, wenn man sie den ganzen Tag trägt.

Fazit: Du wirst Laufen können, wenn Du die Voraussetzungen erfüllen kannst. Technisch gesehen ist das heutzutage überhaupt gar kein Problem mehr!

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Besten Gruß von Huba!
 

Will ich wieder laufen? (Tatsächlich wollen es einige nicht!)

Da musst Du mal ganz ehrlich zu Dir sein. Ich bin einigen Amputierten begegnet, die hatten die beste und damit auch teuerste Prothesenversorgung bekommen ... aber liefen damit nicht. Zum Teil sogar, weil sie nicht mehr laufen wollten. Das fand ich traurig.

Nun, warum ist das tatsächlich traurig? Einmal doch bestimmt für den Betroffenen selbst. Wenn es ihm die Umstände wie Schmerz oder Kraftverlust nicht mehr erlauben, dann finde auch, dass man ihn nicht zum Gehen zwingen sollte. Wenn da aber "Trotz" mitspielt, dann ist das eine "soziale Unverschämtheit". So nenne ich das jetzt mal. So ein Teil kostet Unsummen und wird dann in die Ecke gestellt, weil man sein Leben auch im Rollstuhl klar bekommt?! Das sollte man doch vorher in der "Testphase" oder "Interimsphase" bereits abgeklärt haben ... in diesen Phasen kann man diverse Schäfte und Prothesen ausprobieren.
Zum Anderen ist es traurig für unser Sozialsystem. Da wird wirklich vieles getan und auch bezahlt, um Jemanden wieder auf die Beine zu stellen. Viele andere müssen dafür hart kämpfen, bis vor die Sozialgerichte gehen u.s.w. Und dann trifft man tatsächlich "gesunde" aber sehr mutlose Amputierte, die einen Prothesen-Porsche am Bett stehen haben und bereits einen neuen Kampf um einen Elektrorollstuhl angezettelt haben, weil sie das "irgendwie bequemer" finden. Sowas habe ich selbst erlebt.

Daher eine sehr wichtige Frage, nicht nur für Dich selbst: Willst Du wirklich Laufen? Natürlich solltest Du alle Möglichkeiten ausschöpfen. Es gibt nach der Erstamputation z.B. eine Interimsphase, in der Du, zusammen mit einem guten Orthopädietechniker, einige Modelle und Schäfte ausprobieren darfst und sollst. Du trägst diese dann ein paar Tage und solltest damit herausfinden
1. ob Du damit laufen kannst und
2. ob eine elektronische Prothese oder eine manuelle Version besser geeignet ist für Dich. Auch da habe ich Leute kennen gelernt, die mit einem prozessorgesteuerten Kniepassteil nichts anfangen konnten. Das Teuerste muss nicht das beste für Dich persönlich sein!

Fazit: Mache Dir sehr intensive Gedanken darüber, ob Du tatsächlich wieder Laufen willst. Nicht nur Du persönlich, auch die Gemeinschaft kann sich eine gewaltige Anstrengung ersparen, falls von vornherein feststeht, dass Du eigentlich gar nicht gehen willst. Wenn Du aber laufen willst, dann lies weiter und - herzlich Willkommen im Club!

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Wann kann ich anfangen und richtig loslegen zu trainieren?

Sofort! Je länger Du unbeweglich bleibst, desto schneller bauen Deine Muskeln ab und desto anstrengender wird jeder Neubeginn!

Meine erste Mobilisation z.B. war "Sitzen auf der Bettkante" - in einem Sitzgestell. Ein Riesenerfolg nach den ersten 5 Wochen. Selbst dabei kam es dann zu Kreislaufbeschwerden. Trotzdem solltest auch Du also sofort loslegen mit dem was möglich ist! Auch mit Kleinigkeiten. Das ist sehr wichtig!

Mögen die Einheiten und Übungen für Dich noch so lächerlich oder zu einfach sein: MACHEN! Die minimalste Physiotherapie bewegt Deine Gelenke und beansprucht Deine Muskeln. Und das sind die Komponenten die Du brauchst, um mit Deiner Prothese gehen zu können. Glaube mir, schmerzende Schultern, schwache Wade oder geschwollerner Fuß ... das alles behindert Dich nur noch mehr. Hinzu kommt Muskelabbau wenn Du zu lange ruhst , das geht sehr sehr schnell. Den Muskel wieder aufzubauen, kostet Zeit und viel - viel - Geduld.

Ich selbst z.B. habe erst sehr spät nach Amputation und Operationen anfangen können und war nach Verlust von 32 kg Körpergewicht sehr geschwächt. 3 Minuten auf Gehhilfen am Bett stehen war mit starkem Beinzittern genug für einen ganzen Tag. Nichts ging mehr. Dann habe ich mir ein Theraband angeschafft und habe damit begonnen im Bett Dehnungen für die "Ärmchen" zu machen. Kurz darauf wollte ich unbedingt das gesunde Bein trainieren, denn Laufen mit einer Prothese ist nur möglich, wenn das gesunde Bein kraftvoll und stabil ist. Diese Übungen habe ich dann 3x täglich im Rollstuhl absolviert. Nach Wochen zeigten sich erste Ergebnisse - die Muskeln kamen wieder. Langsam, aber sie kamen wieder!

Irgendwann bekommst Du, so wie ich, dann eine Interimsprothese. Die hat sehr wahrscheinlich einen Glasschaft oder eben einen aus Kunststoff. Ein meist durchsichtiger Schaft aus verformbaren Material. Da sich Dein Stumpf noch sehr verändern kann, gerade wenn Du anfängst mit dem Laufen, ist das praktisch ein Provisorium, damit nicht jedesmal ein neuer Schaft gegossen werden muss wenn sich das Stumpfvolumen ändert. Das wäre dann auch viel zu teuer, ein Carbon-Schaft ist nicht formbar und kostet sehr viel Geld.

Das ist dann der Zeitpunkt an dem Du richtig anfangen kannst mit dem Training. Idealerweise ist das auch der Zeitpunkt für den Beginn einer Reha-Maßnahme. Dort wirst Du eine professionelle Gehschule besuchen und auf Amputation spezialisierte Ärzte und Physiotherapeuten treffen. Hier wirst Du fit gemacht. Das ist anstrengend aber hilft auch gut. Danach bist Du in der Lage, Deine ganze Situation besser einzuschätzen. Alles was Du dort lernst, solltest Du zu Hause diszipliniert weiter ausführen. Wahrscheinlich wird Dich Physiotherapie von nun an ein Leben lang begleiten.

Mit diesem "Setup" bist Du dann für das weitere (Dein selbstständiges) Lauftraining im Alltag vorbereitet. Du wirst Dich dann im Laufe der Zeit für ein

Kniepassteil und Gelenk entscheiden müssen. Wenn Du einen guten Techniker hast, dann hat er Dir drei, vier zur Auswahl zur Probe gegeben und Dich damit üben lassen.

Später geht es dann wahrscheinlich noch zum "MDK" oder "MD", dem medizinichen Dienst der Krankenkassen. Hier wird im Grunde ein Gutachten erstellt darüber, ob Du alle Vorteile Deines gewählten Prothesensystems auch nutzen kannst. Das ist eine Bewertung, um eben hohe Kosten zu vermeiden, falls Dein gewünschtes Modell nicht geeignet sein sollte. Andersherum ist es eine Möglichkeit für Dich, noch einmal eine Bestätigung zu erhalten, dass Deine Wahl die richtige war.

Fazit: Fange sofort an mit dem Trainig. "Lauf, Forrest, lauf!" sollte Dein Motto sein. Es ist anstrengend, es kostet viel Kraft. Aber es bringt den Erfolg! Später werden Dir die aufgebauten Muskelgruppen wertvolle Dienste leisten.

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Gruß von Huba!

Noch Fragen? Dann bin ich gespannt, wenn ihr die mir hier zukommen lasst. Danke!!